GESUNDHEITSWESEN

Kognitive Wirkung

Bisher hat sich die Forschung bezüglich der kognitiven Wirkung von Cannabis schwerpunktmäßig auf Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) konzentriert. Diese beiden Cannabinoide erzeugen nachweislich eine breite Palette an gegenläufigen Effekten auf das menschliche Gehirn und Verhalten.

THC

THC wirkt als partieller Agonist (schwacher Stimulator) der Rezeptoren für Cannabinoid des Typs 1 (CB-1) im Gehirn. Entsprechende Forschungsergebnisse weisen auf komplexe pharmakologische Wechselwirkungen zwischen dem Endocannabinoid und Dopaminsystemen als einen der Mechanismen hin, über den THC die kognitiven Prozesse beeinflusst. Insbesondere CB-1-Rezeptoren, die in vielen Hirnregionen vorkommen, regulieren indirekt die Freisetzung von Dopamin durch Inhibition und Stimulation von Gamma-Aminobuttersäure (Gamma Amino Butyric Acid, GABA) und Glutamat-Neuronen.

Entsprechende Forschungsergebnisse zeigen, dass ihre Dichte in den Gehirnen chronischer Cannabis-Nutzer durch die wiederholte Stimulation der CB-1 Rezeptoren abnimmt. Möglicherweise aufgrund dieses Vorgangs oder auch aufgrund anderer Faktoren wirkt sich THC bei erfahrenen Nutzern anders auf die Wahrnehmung aus als bei sporadischen oder unerfahrenen Nutzern. Insbesondere ist gezeigt worden, dass die Aufnahme von THC-reichem Cannabis bei chronischen Cannabis-Konsumenten die kognitive Flexibilität (die Fähigkeit, zwischen dem Denken über zwei verschiedene Konzepte hin- und herzuspringen), das logische Denken beziehungsweise das episodische Gedächtnis (die persönliche Erinnerung an vergangene Erfahrungen) sowie das Arbeitsgedächtnis (der Fähigkeit, Informationen „online“ zu verwalten und zu handhaben, zum Beispiel beim Kopfrechnen) nicht beeinträchtigt.

Andererseits beeinträchtigt THC bei gelegentlichen Nutzern in Abhängigkeit von der Dosis nachweislich sowohl das episodische als auch das Arbeitsgedächtnis. Obwohl festgestellt worden ist, dass nach der Verabreichung von THC die visuellen und motorischen Fähigkeiten sporadischer Konsumenten beeinträchtigt sind und die Aufmerksamkeit geteilt wird, ist dieser Effekt bei regulären Cannabis-Konsumenten nicht beobachtet worden. Trotzdem scheint es, dass die motorische Inhibition (die Impulsivität; also die Unfähigkeit, eine aktivierte oder automatische Reaktion zu bremsen) in beiden Populationen im Cannabis-Rausch in ähnlicher Weise gestört ist.

Kreativität

Eine von Bedrocan unterstützte Studie hat gezeigt, dass Cannabis mit hohem THC-Gehalt die Kreativität unterdrücken kann. Insbesondere wurde festgestellt, dass das divergente Denken (das Bedenken möglichst vieler Lösungen für ein definiertes Problem; ein Prozess, der als „Brainstorming“ bezeichnet wird) regulärer Cannabis-Konsumenten bei hohen THC-Dosen beeinträchtigt ist, wohingegen eine weniger wirksame Dosis diese wichtige Komponente der Kreativität nicht zu beeinflussen scheint. Dies weist darauf hin, dass das häufig berichtete Gefühl verstärkter Kreativität nach dem Cannabiskonsum eine Illusion sein könnte. Anders ausgedrückt, ist der Cannabis-Konsum möglicherweise nicht die beste Lösung, wenn man eine „Schreibblockade“ lösen oder andere künstlerische Hemmschwellen überwinden will.

Fehlerüberwachung

Außerdem hat die gleiche Studie gezeigt, dass selbst geringe THC-Dosierungen die neuronalen Signale im Zusammenhang mit der Fehlerüberwachung (Erkennung von Diskrepanzen zwischen erwarteten und tatsächlichen Handlungen; d.h. Erkennung eigener Verhaltensfehler) chronischer Cannabis-Anwender beeinflussen können. Bei hohen Dosierungen ist dieser Effekt zudem deutlicher ausgeprägt. Insgesamt ergibt sich daraus die Möglichkeit, dass reguläre Cannabis-Konsumenten im Rausch unter Umständen Schwierigkeiten haben können, sich geänderten Umständen anzupassen, indem sie ihre falschen Verhaltensmuster realisieren und korrigieren.

CBD

CBD hat eine komplexe Palette an pharmakologischen Wirkungen. Sein Einfluss auf die Wahrnehmung ist noch nicht ganz geklärt. Obwohl CBD beispielsweise eine geringe Affinität und teilweise eine antagonistische (blockierende) Wirkung auf CB-1-Rezeptoren hat, ist es nachweislich auch ein Serotonin-Rezeptor-Agonist. Außerdem hemmt CBD die zellulare Wiederaufnahme und Hydrolyse des Endocannabinoid-Anandamids im Gehirn.

Im Hinblick auf die Hirnaktivierung zeigen entsprechende Studien, dass CBD gegenläufige Wirkungen zum THC auf die Aktivierung der Gehirnregionen bei der Response Inhibition, der emotionalen Verarbeitung und dem verbalen Gedächtnis hat. Wenn man dies mit den gedächtnisschützenden Eigenschaften von CBD gegen die negativen Auswirkungen von THC kombiniert, kann postuliert werden, dass CBD den kognitiven Effekt von THC wirksam reguliert. Andererseits liegen nur wenig Daten über die kognitiven Wirkungen von reinem CBD vor, abgesehen von einer Studie, bei der festgestellt wurde, dass sich die Erkennung der emotionalen Gesichtsmimik nach der Verabreichung von CBD verbessert.

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