Systematische Literaturanalyse zur Auswirkung von Medizinal Cannabis von Bedrocan bei gesunden Probanden und Patient:innen

In den letzten Jahren stieg das Interesse an der Verwendung von medizinischem Cannabis stetig an. Insbesondere die Behandlung verschiedener Erkrankungen und Symptome wie chronische Schmerzen, Spastik und Epilepsie. Eine große Herausforderung bei der Erforschung von Medizinal Cannabis, seiner Wirkung und Anwendung in der klinischen Praxis, ist die Herstellung standardisierter medizinischer Cannabisprodukte mit einer gleichbleibenden Menge an Wirkstoffen, vor allem Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Dies ist von entscheidender Bedeutung, um eine gleichbleibende Qualität und Dosierung für Patient:innen zu gewährleisten und Forschungsergebnisse effektiv in die klinische Praxis umsetzen zu können.

Um weitere Erkenntnisse über Wirksamkeit und Sicherheit standardisierter Cannabisprodukte von Bedrocan zu gewinnen, wurde eine systematische Literaturanalyse zur Wirkung dieser Cannabisprodukte bei gesunden Probanden und Patient:innen durchgeführt.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung von Leen, N., Kowal, K., Batalla, A., Bossong, M. (2024). The effects of standardised cannabis products in healthy volunteers and patients: a systematic literature review. Volume 15, Front. Pharmacol., Sec. Neuropharmacology.

Die Wirkungen von Cannabis-Medikamenten

In verschiedenen wissenschaftlichen Datenbanken wurden insgesamt 60 Studien gefunden, in denen die Wirkung standardisierter Cannabisprodukte von Bedrocan untersucht wurde. 37 dieser Studien befassten sich mit der Sofortreaktion von Cannabis bei gesunden Probanden.

Überblick über die Ergebnisse

Gesunden Probanden

Studien an gesunden Probanden zeigten im Blut schnell ansteigende THC- und CBD-Konzentrationen nach Verabreichung von Cannabis. Die am häufigsten berichteten subjektiven Wirkungen waren Rauscherlebnisse und Angstzustände. Akute Auswirkungen auf die Kognition zeigten sich in verlangsamten Reaktionszeiten und einer Abnahme von Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit und Arbeitsgedächtnis. Diese akuten Wirkungen waren dosisabhängig, wobei höhere THCDosen zu stärkeren negativen Wirkungen führten. Höhere CBD-Konzentrationen im Cannabis führten zu weniger Angstzuständen, hatten jedoch keinen Einfluss auf Pharmakokinetik, subjektive Wirkungen oder Kognition.

Patient:innen

Studien an Patient:innen mit verschiedenen chronischen Schmerzzuständen zeigen, dass die Behandlung mit medizinischem Cannabis das subjektive Schmerzempfinden verringern kann. Die Behandlung mit medizinischem Cannabis wird im Allgemeinen mit leichten, vorübergehenden Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, wobei am häufigsten über das Erleben eines „Rausches“, Husten und Schwindel berichtet wird. Das Auftreten dieser Nebenwirkungen kann von Faktoren wie Dosierung, Zusammensetzung von medizinischem Cannabis und Erfahrung der Patienten mit Cannabisgebrauch abhängen.

Klinische Effekte bei Patient:innen

Vierzehn (14) klinische Studien an Patient:innen mit verschiedenen Erkrankungen deuten auf Vorteile von medizinischem Cannabis hin, darunter:

Anwendungen Produkt Nr. Studien Vorteile

Schmerzlinderung

Bedrocan® Bediol® 11 Bei Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie können Inhalationspräparate oder oromukosale Lösungen mit Bedrocan® (22 % THC) oder Bediol® (6,3 % THC, 8 % CBD) zu einer deutlichen Linderung der subjektiven Schmerzintensität führen. Eine Studie zeigte zudem einen Rückgang des Opioidkonsums bei Schmerzpatient:innen.

Epilepsie

Bedrolite® 3 Bei Kindern und Jugendlichen mit schwerer Epilepsie reduzierten hochdosierte orale Lösungen (200-550 mg CBD) von Bedrolite® (9% CBD) die Anfallshäufigkeit. Die Befragten berichteten außerdem von Verbesserungen bei Schlaflosigkeit, kognitiven Fähigkeiten und Funktionen sowie von einem verbesserten Verhalten.

Die folgenden drei (3) Studien sind lediglich beispielhaft. Einzelne Studien geben Aufschluss über Bereiche potenzieller klinischer Untersuchungen und weiterer Forschung, darunter:

Anwendungen Produkt Nr. Studien Vorteile

Alzheimer

Bedrocan® 1 Bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit zeigten sich nach 12 Wochen Einnahme der oralen Lösung Bedrocan® auf Cannabisbasis Verbesserungen bei Symptomen wie Unruhe, Apathie, Reizbarkeit und Schlaf-/Essstörungen.

Multiple Sklerose

Bedrocan® 1 Bei Patienten mit Multipler Sklerose, die nicht auf Standardbehandlungen ansprachen, halfen die Cannabis-Medikamente Bedrocan® (22% THC) dabei, die Auswirkungen der Muskelsteifheit zu verringern.

PTBS

Bediol® 1 Veteranen mit einer Langzeit-PTBS berichteten von deutlichen Verbesserungen, darunter mehr innere Ruhe und geringere Reizbarkeit, bei der Anwendung von Bediol® (6,3 % THC, 8 % CBD) zur Unterstützung des Schlafs.

Die physiologischen und psychologischen Wirkungen von Cannabis-Medikamenten

An gesunden Probanden wurden 38 Studien mit den standardisierten medizinischen Cannabisblüten von Bedrocan und daraus hergestellten Cannabispräparaten durchgeführt. Diese Studien liefern wertvolle Erkenntnisse zu den physiologischen und psychologischen Wirkungen, darunter:

Wie Cannabis-Medikamente im Körper wirken

Bei Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie können Inhalationspräparate oder orale Lösungen mit Bedrocan® (22 % THC) oder Bediol® (6,3 % THC, 8 % CBD) häufig zu einer deutlichen Linderung der Schmerzen führen. Eine Studie zeigte zudem einen Rückgang des Opioidkonsums bei Schmerzpatienten.

Wie sich Cannabis-Medikamente auf Ihr Befinden auswirken

Höhere Dosen THC-haltiger Cannabis-Medikamente wirken euphorisierend und können schnell ein Rauschgefühl hervorrufen. Stärkere Effekte und unerwünschte Gefühle wie Angstzustände, Verwirrung und Paranoia sind mit noch höheren THC-Dosen verbunden. Im Gegensatz dazu riefen CBD-haltige Cannabis-Medikamente diese Gefühle nicht hervor.

Auswirkungen auf die Kognition

THC-haltige Cannabispräparate verlangsamen häufig die Reaktionszeit und beeinträchtigen Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Diese Effekte sind bei höheren THC-Dosen stärker ausgeprägt. CBD-haltige Cannabispräparate schienen hingegen keinen Einfluss auf die Kognition zu haben.

Einfluss von CBD- und THC-Kombinationen

Die Zugabe von CBD kann zwar Angstgefühle lindern, verringert aber im Allgemeinen nicht die anderen Wirkungen von THC, wie beispielsweise das Rauschgefühl oder die Auswirkungen auf Lernfähigkeit und Gedächtnis. Dies gilt selbst dann, wenn CBD im Verhältnis 3:1 zu THC vorliegt.

Die am häufigsten gemeldeten Cannabis-Nebenwirkungen

Cannabis-Medikamente weisen ein gutes Sicherheitsprofil auf. In den Studien wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen zählten:

  • Husten (insbesondere bei Inhalation von Dampf; 10–70 %)
  • Benommenheit (nach Inhalation; 88 %)
  • Rauschgefühl (20–80 %)
  • Verwirrtheit (25–37 %)
  • Halsschmerzen und Geschmacksveränderungen (bei bestimmten Inhalationsarten; 25–35 %)

Diese Nebenwirkungen sind in der Regel mild und klingen schnell wieder ab.

Hauptgründe für den Abbruch der Cannabisbehandlung

Es ist bemerkenswert, dass die Anzahl der Patienten, die die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen abbrachen, vermutlich von zwei Hauptfaktoren beeinflusst wird:

  • Anwendungserfahrung: Patienten mit weniger Erfahrung im Umgang mit Cannabis-Medikamenten, insbesondere mit THC-haltigen Präparaten, berichteten häufiger über Nebenwirkungen.
  • Höhere THC-Dosen: Höhere THC-Dosen führen oft zu höheren Studienabbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen wie Verwirrtheit. Beispielsweise lag die Abbruchrate in einer Studie mit durchschnittlich 55 mg THC pro Tag bei 49 %, während sie in einer anderen Studie mit 1,5 mg THC pro Tag nur 1 % betrug (siehe Abbildung unten).
higher doses of THC often result in higher study dropout rates
Figure 1: The relationship between dose and response – the potential for treatment drop out.

Schlussfolgerungen aus diesen klinischen Studien

  • Standardisierte Cannabisprodukte von Bedrocan zeigen dosisabhängige akute Wirkungen bei gesunden Probanden, einschließlich subjektiver Rauscherlebnisse, Angstzustände sowie Beeinträchtigungen kognitiver Funktionen.
  • Bei Patienten mit verschiedenen chronischen Schmerzzuständen führt die Behandlung mit medizinischem Cannabis zu einer verringerten Schmerzintensität. Nebenwirkungen dieser Behandlung waren leicht und vorübergehend.
  • Wirksamkeit und Sicherheit standardisierter medizinischer Cannabisprodukte müssen jedoch in randomisierten klinischen Studien weiter untersucht werden.
  • Zwar gibt es Hinweise darauf, dass medizinische Cannabisprodukte Schmerzen lindern können, doch stammen diese Ergebnisse hauptsächlich aus retrospektiven und Beobachtungsstudien. Darüber hinaus verdienen Dosierung und Zusammensetzung von Cannabis sowie Unterschiede im Alter und Geschlecht besondere Aufmerksamkeit.

Die Cannabinoide THC und CBD verstehen

Die Cannabispflanze ist komplex und enthält über 500 verschiedene chemische Verbindungen. Mehr als 100 davon sind einzigartige Verbindungen, sogenannte Cannabinoide. Die beiden am besten erforschten sind:

  • THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol): der Hauptwirkstoff, der Entspannung und Euphorie hervorruft. In höheren Dosen kann er jedoch auch unerwünschte Wirkungen wie Angstzustände, Paranoia sowie Beeinträchtigungen des Lernens, des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit hervorrufen.
  • CBD (Cannabidiol): CBD hat keine psychotropen Wirkungen wie THC. Einige Studien deuten darauf hin, dass es einige der negativen Wirkungen von THC, wie z. B. Angstzustände, lindern könnte, die Ergebnisse hierzu sind jedoch uneinheitlich.

Das Verhältnis von THC und CBD in einem Cannabis-Medikament kann bei der Anwendung zur Behandlung verschiedener Erkrankungen von Bedeutung sein. Über diese potenzielle Wirkung ist noch viel zu lernen.

Handbuch medizinisches Cannabis

Ein Leitfaden zur praktischen Anwendung von cannabisbasierten Arzneimitteln

Das „Handbuch medizinisches Cannabis – Ein Leitfaden zur praktischen Anwendung von cannabisbasierten Arzneimitteln“ sollte von verschreibenden Ärzten, Apothekern und Pflegekräften konsultiert werden.

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