1,9 Millionen Euro für die Erforschung von neuropathischen Schmerzen

Die niederländische Regierung unterstützt die Forschung zur Verwendung von medizinischem Cannabis bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen mit 1,9 Millionen Euro.

Der Zuschuss wurde an ein gemeinsames Projekt des Zentrums für Humanarzneimittelforschung CHDR (the Centre for Human Drug Research), einem niederländischen unabhängigen Institut, das sich auf klinische Arzneimittelforschung spezialisiert hat, und des Medizinischen Zentrums der Universität Leiden, LUMC (Leiden University Medical Center) vergeben.

Der Neurologe Geert Jan Groeneveld, CSO/CMO am CHDR und Professor für Klinische Neuropharmakologie am LUMC sowie Albert Dahan, Professor für Anästhesiologie am LUMC werden die Forschungsarbeiten leiten.

Die Forschungsarbeit soll zu einer spezifischen Empfehlung einer optimalen Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC)-Cannabidiol (CBD)-Dosierung für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen bei einer bestimmten Untergruppe von Patienten führen. Darüber hinaus trägt sie zur Evidenz für die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei.

Zur Herstellung des benötigten Forschungs-Materials werden die Rohstoffe des niederländischen Unternehmens Bedrocan genutzt.

Geert Jan Groeneveld
Management

Innovativ

Die Forschungsarbeit schaut dabei nicht auf die gesamte Pflanze, sondern rein auf die pharmakologische Wirkung von THC und CBD.

Groeneveld: „Wir wollen diese Forschung genauso angehen, wie es ein Medikamentenentwickler tun würde. Als klinischer Pharmakologe extrahiert man die bewährten pharmakologischen Komponenten aus einer Pflanze und forscht damit. Das ist das Innovative an unserer Forschungsarbeit”

Die Forscher werden die Pharmakodynamik und Pharmakokinetik von THC und CBD sehr genau messen, die Auswirkungen beider Substanzen auf Schmerz und Gehirnfunktion und wie sich die Substanzen im menschlichen Körper verhalten.

“Wir werden das THC und CBD aus Bedrocan-Cannabis isolieren und sie in Tablettenform in unterschiedlichen Dosen verabreichen. Wir werden uns dann den Einfluss von CBD auf die Wirkung von THC ansehen und untersuchen, welche THC-CBD-Kombination am besten für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen geeignet ist”, so Groeneveld.

Die niederländische Firma Echo Pharmaceuticals aus Leiden wird die benötigten Tabletten für diese Forschungsreihe produzieren.

Gesunde Probanden

Die Studie besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil werden gesunden Probanden die Tabletten mit unterschiedlichen THC- und CBD-Verhältnissen verabreicht.

Der erste Teil der Forschung wird zeigen, ob die unerwünschten Wirkungen von THC, wie z.B. high zu werden oder sich ängstlich zu fühlen, durch die gleichzeitige Verabreichung von CBD reduziert werden können.

Laut Groeneveld hat die wissenschaftliche Literatur dazu bisher widersprüchliche Ergebnisse geliefert: „Um ehrlich zu sein, verspreche ich mir nicht viel von CBD als eigenständige Behandlung von neuropathischen Schmerzen. Aus pharmakologischer Sicht ist es wahrscheinlich, dass THC den Schmerz beeinflusst, aber das ist bei CBD weniger der Fall. CBD könnte eine Wirkung auf Entzündungen haben, aber es gibt keinen Grund, CBD zur Behandlung von entzündlichen Schmerzen einzusetzen. Dafür haben wir bereits Ibuprofen. Interessant wird es erst, wenn die unerwünschten Wirkungen von THC, wie z.B. Angstgefühle, durch die gleichzeitige Gabe von CBD gelindert werden können.“

Suche nach dem idealen Verhältnis zwischen THC und CBD

THC (9-Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) sind die beiden am besten untersuchten Wirkstoffe der Cannabispflanze.

THC ist für seine schmerzlindernde Wirkung bekannt, verursacht aber auch psychoaktive Nebenwirkungen. CBD könnte über andere Mechanismen zu einer schmerzlindernden Wirkung führen.

Es wird vermutet, dass CBD auch die psychotropen Effekte von THC beeinflussen kann, indem es die Bindung von THC an den CB1-Rezeptor moduliert. Es ist jedoch noch unklar, wie das ideale Verhältnis von THC zu CBD aussehen sollte, um die CB1-modulierenden Effekte von CBD zu nutzen und gleichzeitig die positiven Effekte von THC auf Schmerzen zu erhalten.

Darüber hinaus ist immer noch unklar, ob die analgetischen Effekte, die einige Patienten infolge der CBD-Anwendung erfahren, auf eine pharmakologische Wirkung von CBD zurückzuführen sind, oder einfach darauf, dass CBD den Metabolismus von gleichzeitig eingenommenen Schmerzmitteln verhindert. Letzteres soll in diesen Studien ebenfalls untersucht werden.

Patienten mit neuropathischen Schmerzzuständen

Die Auswirkungen auf Schmerzen bei Patienten werden erst im zweiten Teil der Studie untersucht, nachdem die Ergebnisse der ersten Studie bekannt sind. Dies wird Aufschluss darüber geben, welches THC:CBD-Verhältnis am besten wirkt.

Der zweite Teil der Studie wird an einer heterogenen Gruppe von 200 Patienten mit verschiedenen neuropathischen Schmerzzuständen durchgeführt.

Groeneveld: „Wir werden diese Gruppe im Vorfeld sehr gut phänotypisieren. Das heißt, wir wollen genau wissen, wie sich der neuropathische Schmerz speziell in dieser Gruppe manifestiert. Haben die Patienten eine nachweisbare Nervenschädigung, haben sie eine Persönlichkeitsstörung, sind sie depressiv, oder haben sie Schlafstörungen? All das sind Variablen, die wir abbilden wollen.”

Anschließend erhalten die Teilnehmer in einer Crossover-Studie fünf Wochen lang ein Placebo und nach einer Auswaschphase fünf Wochen lang eine Cannabinoid-Behandlung oder andersherum. Während jeder Behandlungsperiode wird der Grad der Schmerzen  gemessen.

Groeneveld: „Bei Patienten mit deutlicher Schmerzlinderung wollen wir weiter untersuchen, ob es eine Korrelation zwischen ihren Variablen wie Schlafproblemen, Angstzuständen oder peripheren Nervenschäden und der Reaktion auf die Behandlung mit THC gibt.”

Der erste Teil der Studie wird im Frühjahr 2021 beginnen, und Groeneveld erwartet die ersten Ergebnisse im Sommer. Zum Herbst startet der zweite Teil der Studie an den Schmerzpatienten und soll mindestens zwei Jahre laufen.

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