GESUNDHEITSWESEN

Indikationen

Generell zeigt die aktuelle Forschung, dass medizinisches Cannabis keine Krankheiten oder Störungen heilen kann, es kann jedoch die damit verbundenen Symptome lindern oder das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. In dem Zeitraum zwischen 1975 und 2014 wurden 142 randomisierte kontrollierte klinische Doppelblindstudien in Bezug auf Cannabiskraut beziehungsweise reine Cannabinoide publiziert. Die Gesamtpopulation beinhaltete 9.429 Patienten mit einer breiten Palette an Beschwerden. Auf Basis dieser Daten konnte bestätigt werden, dass Cannabinoide in den folgenden Fällen ein therapeutisches Potenzial besitzen:

Abgesehen von diesen Erkrankungen zeigen die Cannabinoide auch vielversprechende Ergebnisse im Zusammenhang mit der symptomatischen Behandlung von Hyperaktivität, Angststörungen und Allergien.

Die konventionelle Medizin kann vielen Patienten mit den vorstehend genannten Erkrankungen nicht im hinreichenden Umfang helfen; entweder weil Therapien ineffektiv sind oder die Nebenwirkungen zu stark sind.

Randomisierte, placebokontrollierte klinische Doppelblindstudien sind in der modernen Medizin der Goldene Standard zur Bestimmung der Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten. Bedrocan beteiligt sich zurzeit, um festzustellen, wo und wann eine Behandlung mit Cannabinoiden angemessen und vertretbar ist, an solchen Studien.

Chronische Schmerzen

Starke chronische Schmerzen sind offensichtlich einer der wichtigsten Gründe, warum Patienten Cannabis als Arzneimittel verwenden. Es gibt viele Arten von Schmerzen, und Cannabis hat nicht bei allen Schmerzen die gleiche Wirkung. Die beste therapeutische Wirkung scheinen Cannabinoide bei neuropathischen Schmerzen zu haben – also bei Schmerzen aufgrund von Verletzungen oder einer Erkrankung, die die sensorischen Nerven betrifft. Das ist zum Beispiel der Fall bei Multipler Sklerose (MS). Bei dieser Krankheit werden die Nerven des Patienten vom eigenen Immunsystem zerstört; oder auch bei Fibromyalgie, bei der die Nerven überempfindlich werden und schon leichte Berührungen als schmerzhaft empfunden werden. Studien hingegen, bei denen die Wirkung auf akute Schmerzen gemessen wird (wie nach einer Operation), zeigen zumeist wenig bis gar keine Wirkung von Cannabis. Dies hängt wahrscheinlich mit der unterschiedlichen Rolle zusammen, die die Endocannabinoide bei beiden Schmerzarten spielen. Der Mechanismus, der diesen Unterschied begründet, ist jedoch noch nicht ganz erforscht.

Aus Studien, die sich mit den therapeutischen Präferenzen der Patienten befassen, geht hervor, dass die meisten Nebenwirkungen der Cannabinoide bei starken Schmerzen besser vertragen werden als die Nebenwirkungen der langfristigen Verwendung hochdosierter Opioid-Medikamente. Chronische neuropathische Schmerzen sind ein häufig vorkommendes, schwer zu behandelndes Symptom mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten. Für solche Patienten kann daher schon eine geringe therapeutische Wirkung der Cannabinoide relevant sein.

Da chronische Schmerzen so schwer mit einem einzigen Medikament zu behandeln sind, wurden Cannabinoide häufig in Kombination mit anderen Schmerzmitteln – beispielsweise starken Opiaten wie Morphin – untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass Cannabinoide und Opiate in Kombination eine starke Wirkung haben. Dieser Effekt wird als „Synergie“ bezeichnet. Daher lässt sich die Opioid-Dosis im täglichen Anwendungsregime der Patienten häufig durch die Verschreibung zusätzlicher Cannabinoide verringern. Kombinationstherapien haben nachweislich die unerwünschten milden bis schweren Nebenwirkungen der Opioide abgeschwächt, wie beispielsweise Übelkeit und Brechreiz, Toleranz, Sedierung und Atemdepression.

Multiple Sklerose

Zusammen mit chronischen Schmerzen ist auch die multiple Sklerose (MS) eine Krankheit, bei der die langfristige Wirkung der Cannabinoide umfassend untersucht worden ist (in erster Linie in Form des pharmazeutischen Produkts Sativex®). Diese Studien zeigen, dass die Patienten keine Toleranz in Bezug auf die medizinischen Wirkungen entwickeln, und sie erhöhen die Dosis auch nicht mit der Zeit, um die gleiche therapeutische Wirkung zu erzielen. Zwar liegen noch keine ausreichenden medizinischen Beweise für die Wirksamkeit von Cannabis bei MS vor, trotzdem ist jedoch darauf hinzuweisen, dass dies auch für viele konventionelle Medikamente gilt, die bei MS verwendet werden.

Zahllose Patienten in der ganzen Welt verwenden heute Cannabis und Cannabinoide zur Linderung von Schmerzen, Muskelspasmen oder Krämpfen im Zusammenhang mit MS oder Rückenmarksverletzungen. Deshalb wurden auch die meisten klinischen Studien mit Cannabinoid-Medikamenten bei MS durchgeführt. Die herkömmliche Behandlung bietet häufig eine ungenügende Linderung der Beschwerden oder wird durch die Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente eingeschränkt. Die Folge ist, dass MS-Patienten häufig mit alternativen Therapien experimentieren, wie z.B. mit Cannabis, um ihre Lebensqualität zu steigern.

Heute liegen wissenschaftliche Nachweise für die positiven Auswirkungen der Cannabinoide auf durch Krankheiten verursachte Schmerzen, Blasensymptome, Tremor und Spastizität vor. Zudem wirken die Cannabinoide in signifikanter Weise schlaffördernd, womit sich die Dauer und Tiefe des Schlafs verbessert.

Übelkeit, Brechreiz und Appetit

Cannabis kann starke Wirkungen bei Übelkeit und Erbrechen infolge der Chemotherapie oder Strahlenbehandlung bei Krebs, Hepatitis C, HIV-Infektionen oder AIDS zeigen. Seit 1986 ist synthetisches THC (in Form von Marinol®) von der US-Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) als Appetitanreger bei Anorexia mit Gewichtsverlust bei Patienten zugelassen, die an HIV/AIDS leiden.  Marinol® ist zudem auch als Antiemetikum für Krebspatienten mit Chemotherapie zugelassen. Unterstützende Studien weisen darauf hin, dass die zusätzliche Gabe von THC unmittelbar vor und nach der Chemotherapie besser wirkt als ausschließlich konventionelle Mittel gegen Erbrechen.

Cannabis regt nachweislich den Appetit an, was sich als starker Wunsch nach Nahrungsmitteln mit hohem Fett- oder Zuckergehalt äußert. Bei diesen Patienten kann die erhöhte Kalorienaufnahme zur Gewichtszunahme und zur Nährstoffversorgung beitragen, was in bestimmten Fällen lebenswichtig ist, wie z.B. beim Wasting-Syndrom bei AIDS-Patienten.

Obwohl auch andere Mittel zur Bekämpfung von Übelkeit, Brechreizen und Appetitlosigkeit verfügbar sind, wirkt Cannabis bei allen diesen Symptomen gleichzeitig und ist somit ein besonders wirksames Mittel, das zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beiträgt. Für Patienten, die an Übelkeit oder Brechreiz leiden, sind orale Medikamente nicht sehr angenehm. Bei diesen Patienten verringert die Inhalation – mithilfe eines medizinischen Verdampfers – die Schwierigkeiten der oralen Medikation und erzielt innerhalb kürzester Zeit eine therapeutische Wirkung.

Gilles de la Tourette-Syndrom

Tourette-Syndrome ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die sich durch motorische oder lautliche Tics kennzeichnet. Es liegen diverse Berichte von einzelnen Patienten vor, die darauf hinweisen, dass Cannabis die Unterdrückung derartiger Tics sowie die Behandlung damit verwandter psychiatrischer Störungen, wie beispielsweise die Zwangsstörung (OCD), wirksam unterstützt. Klinische Studien bezüglich der Auswirkungen von (reinem) THC bei der Behandlung des Tourette-Syndroms zeigen einen erheblichen Rückgang der Tics ohne ernsthafte Nebenwirkungen. Da diese Tics so stark auffallen, wirken sie sich häufig stark auf das soziale Leben der Tourette-Patienten aus. Daher kann schon eine geringe Wirkung des Cannabis durchaus relevant sein. THC könnte somit für die Behandlung des Tourette-Syndroms bei erwachsenen Patienten empfohlen werden, wenn Primärtherapien keine ausreichende Wirkung auf die Tics gezeigt haben.

Therapieresistentes Glaukom

Beim Glaukom (grünem Star) verursacht ein steigender Augeninnendruck den allmählichen Verlust der Sehfähigkeit, was ohne Behandlung zur vollständigen Erblindung führen kann. Entsprechende Studien in den siebziger Jahren haben gezeigt, dass Cannabis sowohl bei oraler Verabreichung als auch durch Inhalieren den Augeninnendruck ebenso wirksam senken kann wie Standard-Medikamente.

Obwohl es inzwischen eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten gibt, ist das Glaukom weltweit noch immer eine der Hauptursachen für irreversible Blindheit. Cannabis kann eine gute Behandlungsoption sein, wenn konventionelle Behandlungen nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Die Wirkung zur Verringerung des Augeninnendrucks hält jedoch normalerweise nur wenige Stunden an. Daher müsste ein Cannabis-Medikament regelmäßig dosiert werden.

Weitere Indikationen

Außerhalb des Sichtfelds ihrer Ärzte experimentieren Patienten, die an einer Vielzahl von Beschwerden leiden, häufig mit Cannabis. Auf Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die weitere schwerpunktmäßige Konzentration auf fünf weitere Anwendungsmöglichkeiten für medizinisches Cannabis empfehlenswert, einschließlich der Behandlung von Krebs, Epilepsie, entzündlichen Darmerkrankungen, Parkinson und psychiatrischen Störungen.

Krebs

Cannabinoide haben eine palliative Wirkung bei Krebserkrankungen, weil sie Übelkeit, Brechreiz und Schmerzen lindern, den Appetit anregen und die Schlafqualität verbessern. Allerdings haben Laborstudien an Versuchstieren und an isolierten Krebszellen auch nachgewiesen, dass Cannabinoide unter gewissen Bedingungen in der Lage sind, das Krebszellenwachstum zu hemmen.

In Reaktion auf diese interessanten Ergebnisse erscheinen im Internet immer mehr nicht wissenschaftliche Berichte und Videos, in denen behauptet wird, das Cannabis Krebs heilen könne. Trotz der laufenden diesbezüglichen Forschungsbemühungen gibt es zurzeit noch keine gesicherte Beweise aus klinischen Studien, die eine solche Behauptung unterstützen.

Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die potenzielle Wirkung der Terpene auf Krebs, allein oder in Kombination mit Cannabinoiden, in Laborstudien bisher nicht getestet worden ist. Tatsächlich wird oft angenommen, dass die kombinierte Wirkung der Cannabinoide und Terpene den wichtigsten Unterschied zwischen „holistischen“ pflanzlichen Zubereitungen von Cannabis und den pharmazeutischen Produkten auf Basis einzelner Cannabinoide darstellt. Die genaue Wirkweise der Cannabinoid-Terpen-Kombinationen ist jedoch noch nicht untersucht worden.

Zudem unterscheiden sich die Extraktionsverfahren beziehungsweise Verabreichungsformen, die Patienten mit Selbstmedikation verwenden, häufig von den Laborexperimenten oder den in Krankenhäusern durchgeführten Studien. Aufgrund dieser Diskrepanz zwischen der klinischen Forschung einerseits und den Patientenerfahrungen andererseits bleibt vorläufig ungeklärt, welche Bedeutung das Cannabiskraut für die Behandlung unterschiedlicher Krebsarten haben könnte.

Epilepsie

Obwohl Epilepsie mit den heutigen Medikamenten oft gut kontrolliert werden kann, hat ein Großteil der Epilepsiepatienten seine epileptischen Anfälle noch nicht ausreichend unter Kontrolle. Für besonders schwere Fälle kann eine Operation erwogen werden. Dabei handelt es sich jedoch um einen schwierigen und gefährlichen Eingriff mit erheblichen Risiken für das Gehirn des Patienten. Daher kann der Einsatz von Cannabis bei behandlungsresistenten Patienten durchaus eine sinnvolle Alternative darstellen. Die krampflösende Wirkung von (reinem) CBD wurde bereits 1979 in Studien mit Ratten nachgewiesen. In mehreren darauffolgenden Studien mit Versuchstieren und (im kleinen Rahmen) bei Patienten konnte mit CBD sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität der Anfälle verringert werden. Da es keine psychoaktive Wirkung hat, zeigen diese Ergebnisse das Potenzial von CBD als therapeutisches Mittel bei der Epilepsie menschlicher Patienten.

Inflammatory bowel diseases

Heute sammeln sich die Hinweise darauf, dass sich die Cannabinoide möglicherweise positiv auf entzündliche Darmerkrankungen (Inflammatory Bowel Diseases, IBDs) auswirken, wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Entsprechende Daten aus Tierversuchen legen eine homöostatische (regulative) Rolle des Endocannabinoidsystems im Darm nahe und zeigen, dass die Beeinflussung des Endocannabinoidsystems auch positive Auswirkungen auf die gastrointestinale Motilität sowie Diarrhö haben kann. Die Befunde aus Studien an Menschen ergeben jedoch ein komplexeres Bild. Einerseits hat die Forschung gezeigt, dass das Rauchen von Cannabis den Appetit und das Gewicht bei IBD-Patienten verbessern, die Krankheitsaktivität verringern und den Bedarf an anderen Medikamenten reduzieren kann. Andererseits haben Humanstudien auch gezeigt, dass die Auswirkungen der Cannabinoide auf die Krankheitsaktivität unter Umständen nicht so stark sind wie erwartet, insbesondere bei oral verabreichtem CBD. Außerdem scheinen die positiven Auswirkungen auf die IBDs nur symptomatisch zu sein – bisher konnte keine entzündungshemmende Wirkung festgestellt werden. Weitere kontrollierte klinische Studien mit verschiedenen Verabreichungsmethoden werden benötigt, um den Wirkmechanismus der Cannabinoide bei IBDs besser verstehen zu können.

Parkinson-Krankheit

Die Forschung an Versuchstieren zeigt, dass Cannabinoide eine neuroprotektive Wirkung auf die Parkinson-Krankheit (PD) haben und die motorische Behinderung lindern können, die im Zusammenhang mit dieser Krankheit und der langfristigen Levodopa-Behandlung auftritt. Die Ergebnisse von Humanstudien sind unterschiedlich. Bei einigen Studien hatten oral verabreichte Cannabinoide (natürliche und synthetische Cannabinoide) keinerlei positive Wirkung auf die motorischen Symptome im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit beziehungsweise der Levodopa-Behandlung. Hingegen weisen entsprechende Anwendungsbeobachtungen mit gerauchtem Cannabis darauf hin, dass die Cannabinoide die motorischen Symptome, wie Tremor und Steifheit, lindern, die Schmerzen verringern und den Schlaf der Parkinson-Patienten verbessern können. Obwohl CBD die Symptome der Parkinson-Krankheit nach heutigen Erkenntnissen nicht beeinflusst, kann es die Lebensqualität der Patienten möglicherweise verbessern. Auf jeden Fall sind mehr kontrollierte klinische Studien erforderlich, um festzustellen, in welchem Umfang Cannabinoide zur Behandlung von PD verwendet werden können.

Psychiatrische Erkrankungen

Ein anderer aufkommender Anwendungsbereich von Cannabinoiden ist die Behandlung psychiatrischer Erkrankungen, wie Schizophrenie, Angststörungen und bipolare Störung. Obwohl die langfristige Anwendung von hochdosiertem THC als Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen gilt, haben andere Cannabinoide anscheinend eine umgekehrte Wirkung. Insbesondere das nicht psychoaktive Cannabinoid CBD zeigt eine potenziell gute Wirkung bei der Behandlung von Angststörungen und verschiedenen Psychosen, wie beispielsweise Schizophrenie. In einer Studie mit reinem CBD zeigt dies eine starke antipsychotische Wirkung bei akuter Schizophrenie, vergleichbar mit der Wirkung der Standardmedikamente. Zurzeit werden Cannabis-Varianten mit hohem CBD-Gehalt entwickelt, um der steigenden Nachfrage nach diesen Substanzen gerecht zu werden.

Für weitere Informationen finden Sie hier als Download die Info-Broschüre Medizinisches Cannabis Aspekte und Wirkungsweise von Dr. Arno Hazekamp.

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