Aktueller Stand medizinischer Cannabis-Investitionen

In den vergangenen Jahren gab es einen enormen Hype um die internationale Cannabisbranche. Dieser Hype, der hauptsächlich auf den boomenden kanadischen Cannabis Markt zurückzuführen ist, hat insbesondere bei Investoren in diesem Sektor unrealistische Erwartungen geweckt. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Cannabis-Unternehmen nicht in der Lage sind, diesen überhöhten Ansprüchen gerecht zu werden, hat die Branche nun einen entscheidenden Moment des Übergangs erreicht, der durch die COVID-19-Krise nur noch beschleunigt wird. Auf welche Herausforderungen stößt Bedrocan als Branchenexperte im Hinblick auf Investments in der medizinischen Cannabisbranche? Mit welchen regulatorischen Herausforderungen sehen wir uns als Auftragsproduzent von medizinischem Cannabis im Auftrag der niederländischen Regierung konfrontiert? Wir möchten Ihnen als potenzielle Investoren in diesem Artikel einige wichtige Informationen vermitteln.

Autor: Andrew Kraszewski (Business Development, Bedrocan)

Kanadisches Cannabis und die Kapitalmärkte: eine beunruhigende Nachricht

Cannabis sowohl als Arzneimittel als auch als Konsumgut hat in letzter Zeit, vor allem aufgrund der Kapitalmarktaktivitäten in Nordamerika, große Aufmerksamkeit erregt.

Im Vorfeld der Legalisierung von rekreativen Cannabis in Kanada im Oktober 2018 wurden Milliarden kanadischer Dollar in den Sektor gelenkt, was eine neue Ära des “grünen Ansturms” und des Aufschwungs der legalen Cannabismärkte einleitete.

Doch nun, im zweiten Jahr der umfassenden Legalisierung von Cannabis in Kanada, zeichnen die Cannabismärkte ein weitaus düsteres Bild, da einem Teil der bekanntesten kanadischen Herstellernamen für Cannabis das Geld ausgeht.

Angesichts der jetzt zu erwartenden bedeutenden Veränderungen in der Branche hat die Frage, wie wir überhaupt dorthin gelangen konnten und was dies für den sich weiterentwickelnden Sektor bedeutet, erhebliche Bedeutung für Bedrocan und unseren Platz im internationalen Kontext.

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Der Beginn meiner persönlichen Reise im Bereich des medizinischen Cannabis nahm im Januar 2016 in Nordamerika seinen Anfang. Zum damaligen Zeitpunkt waren weder Großbanken noch große institutionelle Investoren in der Branche aktiv, da es sich beim Cannabis um eine kontrollierte Substanz handelte und auch heute noch handelt, sodass jegliche kommerzielle Betätigung mit Cannabis ein hohes Maß an regulativen Risiken birgt.

Indessen waren in Kanada, wo die Liberalisierung des heimischen Cannabismarktes im Gange war (sowie in zahlreichen Bundesstaaten der USA, wo einzelstaatliche Gesetze für medizinische Cannabis-Programme und heimische Cannabis-Programme eingeführt wurden), einige Geldgeber und Investmentbanken bereit, die notwendigen Risiken einzugehen, um diesen aufblühenden Sektor zu unterstützen und zu finanzieren.

Mark Rendells Exposé (Financial Post 2018) über die Finanzierung des kanadischen Cannabismarktes enthüllte, dass interessanterweise nur eine Handvoll Unternehmen für die Finanzierung großer Teile der Industrie verantwortlich waren. Die Finanziers waren opportunistische Hedge-fonds, die üblicherweise nicht die langfristigen Interessen der Unternehmen im Auge haben. Wie von Rendell hervorgehoben wird, wandten diese Investoren verschiedene Taktiken an, um kurzfristige, übergroße Renditen zu erzielen. Sie recycelten ihr Kapital von Geschäft zu Geschäft.

Zu jener Zeit herrschte bei den großen kanadischen Firmen die weitverbreitete Meinung vor, dass man beabsichtigte, den heimischen Markt und die medizinischen Cannabismärkte im Ausland zu beherrschen. Mit dem Ziel die Größten und Besten zu sein, ging es vor allem darum, Kapazitäten aufzubauen.

Kapazität als Maßstab für Unternehmen war eine Maßeinheit, auf die Investoren bei der Bewertung eines Cannabisunternehmens häufig verwiesen, und dies aus dem simplen Grund, dass das Ertragspotenzial eines Unternehmens mit zunehmender Produktionsfläche zunahm.

Kanadischer Dollar

Infolgedessen steckten die Betreiber Millionen kanadischer Dollar in den Bau von Produktionsanlagen sowohl in Kanada als auch in Ländern wie Dänemark, Jamaika und Kolumbien. Letztendlich spielte es keine Rolle, ob diese Investitionen strategisch sinnvoll waren oder nicht, denn die Investoren dieser Unternehmen, die opportunistischen Hedge-fonds, waren lediglich daran interessiert, einen Finanzhandel durchzuführen, in der Regel mit einem Kleinanleger am äußersten Ende der Kette, dem suggeriert wurde zu glauben, dass der Cannabis-Hype sich gelohnt habe.

Angesichts der Tatsache, dass die kanadischen und internationalen Produktionsstätten mittlerweile stillgelegt wurden, wird deutlich, dass viele Unternehmen ihre Anbaukapazitäten überdimensionierten.

In Kanada entwickelt sich auf dem heimischen Markt eine immer größer werdende Kluft zwischen dem Absatzvolumen angesichts der begrenzten Anzahl der bisher eröffneten Einzelhandelsgeschäfte und der Menge an getrocknetem Cannabis, welches derzeit in den Vertriebskanälen vorrätig ist. In dem jetzt eingetretenen Konkurrenzkampf zur Talsohle schwenken die kanadischen Anbieter auf den Freilandkulturanbau um, um zum einen die Anbaukosten zu senken und letztendlich Rentabilität zu erwirtschaften.

Hinsichtlich des internationalen Rückzugs ist die Lage jedoch noch komplexer und erfordert ein umfassendes Verständnis des regulatorischen Umfelds, in dem medizinische Cannabis-Unternehmen tätig sind.

Einheitsübereinkommen über Betäubungsmittel des Jahres 1961

Das bedeutendste Gesetzeswerk, das sich weltweit auf die Herstellung von medizinischem Cannabis bezieht, ist das Einheitsübereinkommen der Vereinten Nationen zum Thema Betäubungsmittel aus dem Jahr 1961 (theSingle Convention”).

Das internationale Betäubungsmittel-Kontrollgesetz schreibt vor, dass der Gebrauch von Cannabis auf rein wissenschaftliche und medizinische Zwecke beschränkt ist. Den Ländern wird vorgeschrieben ein strenges Kontrollsystem für medizinisches Cannabis mittels einer Regierungsbehörde einzurichten.

Letztendlich räumt es den Ländern jedoch eine gewisse Flexibilität bei der Auslegung dieser Kontrollmechanismen ein. Das Rahmenabkommen verlangt jedoch ausdrücklich, dass lokale Regierungsbehörden medizinisches Cannabis vor dem Verkauf im In- oder Ausland ankaufen und in direkten Besitz nehmen.

Patienten Zugang

Im Rahmen medizinischer Cannabisprogramme für den häuslichen Gebrauch erhalten Patienten Zugang zu medizinischem Cannabis im Rahmen von Sonderzugangsregelungen (Special Access Schemes), für die jedoch der Nachweis erforderlich ist, dass Patienten ihre Möglichkeiten in Bezug auf die Erprobung registrierter Medikamente ausgeschöpft haben. Die Bereitstellung des Zugangs zu medizinischem Cannabis im Rahmen von Sonderzugangsprogrammen entspricht natürlich voll und ganz der Single Convention.

Was die Umsetzung des Einheitsübereinkommens anbelangt wenden die einzelnen Länder jedoch unterschiedlich strenge Maßstäbe an. Die Niederlande sind eines der Länder mit der strengsten Auslegungen des Einheitsübereinkommens.

In den Niederlanden ist das OMC (niederländisches Amt für medizinisches Cannabis) mit der Überwachung der Cannabisproduktion für medizinische und wissenschaftliche Zwecke beauftragt. Das OMC vertreibt Bedrocan Cannabis als wirksamen pharmazeutischen Wirkstoff an Apotheken, Forscher und pharmazeutische Abnehmer im In- und Ausland. Bedrocan ist Auftragshersteller der niederländischen Regierung.

Kontrollierte Substanz

Es ist mir wichtig, die Tatsache hervorzuheben, dass es sich bei medizinischem Cannabis um eine streng kontrollierte Substanz handelt, die nur schwer international gehandelt werden kann.

Darüber hinaus wird hervorgehoben, dass medizinisches Cannabis wie jedes andere pharmazeutische Produkt behandelt werden sollte, welches nach den Grundsätzen der guten Herstellungspraxis (“GMP”) hergestellt werden muss.

Zahlreiche Unternehmen entdeckten schlicht und einfach, dass der Export von medizinischem Cannabis aus einer Vielzahl von Gründen unmöglich sein würde, und sahen sich gezwungen, sich entweder auf inländische Absatzmöglichkeit zu konzentrieren oder gänzlich die Segel zu streichen.

Kurz gesagt, Businesspläne, die auf dem Export von medizinischem Cannabis von einer Jurisdiktion in eine andere basieren, haben bislang die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, da die Herausforderungen unterschätzt wurden, die das Einheitsübereinkommen mit sich bringt.

Es zeigt sich, dass das Vorhandensein einer Lizenz zum Anbau, Verarbeitung und Export von medizinischem Cannabis nur dann von Bedeutung ist, wenn es einen Abnehmer in einem anderen Staat gibt – einem Staat, der bereits im Besitz einer gültigen Importgenehmigung seiner zuständigen Behörde ist.

Die Niederlande und ihre Position in der internationalen medizinischen Cannabis-Lieferkette

Die Niederlande legalisierten bereits 2003 als erstes europäisches Land medizinisches Cannabis und exportieren erstmals 2007 pharmazeutisches Cannabis nach Italien und Finnland.

Wichtig zu betonen, ist jedoch, dass das niederländische Amt für medizinisches Cannabis zwar schon seit längerem Cannabis exportiert, dies jedoch nie das Primärziel des medizinischen Cannabis-Programms war; vielmehr stand der inländische Patient immer im Mittelpunkt.

Insofern sind die niederländischen Exporte im Laufe der Zeit als eine Folge der weltweiten Nachfrage organisch gewachsen. So erhielt zum Beispiel die niederländische Regierung 2019 einen formellen Antrag ihrer deutschen Kollegen, die jährliche Menge der nach Deutschland importierten medizinischen Cannabis-Blüte von 1.500 kg auf 2.500 kg zu erhöhen. Ein Antrag, der im Jahr 2020 bewilligt wurde.

Alleinzulieferer

Bedrocan, dessen Anfänge sich bis in die 1990er Jahre als Saatgutproduktionsunternehmen zurückverfolgen lassen, ist seit 2003 der Alleinzulieferer des OMC und damit einer der ältesten medizinischen Cannabishersteller Europas.

Zweifellos hat uns die schiere Länge unserer Unternehmensgeschichte nicht nur die Möglichkeit gegeben, unsere Aktivitäten in einer kapitaleffizienten Weise zu erweitern, als der internationale medizinische Cannabismarkt expandierte, sondern auch unser Anbau-Know-how zu verfeinern.

Die hochwertige Qualität der Produkte, die Bedrocan seit über fünfundzwanzig Jahren liefert, in Verbindung mit erprobten Anbautechniken führt dazu, dass wir in der Lage sind, qualitativ hochwertige und beständige Cannabisblüten zu produzieren.

Darüber hinaus hat Bedrocan in den Bau von Anbaubetrieben investiert, die GMP-zertifiziert sind, was bedeutet, dass wir uns bemühen, den höchstmöglichen Standard für unsere Produkte zu erreichen. Aus diesem Grund sind die Produkte von Bedrocan weltweit in klinischen Forschungsprojekten, Produktentwicklungsprojekten und Special Access Schemes zu finden.

Aus unserer Sicht ist das Thema der Standardisierung heute eines der größten Hindernisse für die Akzeptanz und Verschreibung von medizinischem Cannabis. Es ist schlicht und einfach eine Herausforderung, medizinisches Cannabis zu verschreiben, wenn man die genauen Inhaltsstoffe und Mengen an Cannabinoiden in einem auf Cannabis basierenden Präparat nicht kennt.

Darüber hinaus ist ein standardisiertes und hochwertiges Rohmaterial als aktiver pharmazeutischer Inhaltsstoff für jede pharmazeutische Produktentwicklung von entscheidender Bedeutung.

Zweifelsfrei hat unsere Kompetenz, die Herstellung von Cannabisblüten zu standardisieren, bei Aufsichtsbehörden, Forschern, Ärzten und Patienten Vertrauen in die Produkte von Bedrocan geschaffen.

Vertrauen

Dieses Vertrauen, das in die medizinische Cannabisblüte der Firma Bedrocan neben der strikten Einhaltung des Einheitsübereinkommens durch die niederländische Regierung aufgebaut wurde, hat dazu geführt, dass die Niederlande zu den wenigen Ländern gehören, die in der Lage sind, medizinisches Cannabis auf einer konsistenten Basis erfolgreich zu exportieren.

Alles in allem ist es umso wahrscheinlicher, dass Importstaaten einem Vertragsunternehmen der Landesregierung vertrauen, welche innerhalb der Grenzen der Single Convention operiert. Des Weiteren ist für diese Staaten wichtig, medizinisches Cannabis zu importieren, welches im Rahmen der GMP angebaut und verarbeitet wurde – das heisst medizinisches Cannabis, das über alle notwendigen Unterlagen verfügt, dies zu belegen.

Aufgrund dieser Faktoren haben die Niederlande zusammen mit Bedrocan eine einzigartige Position in der internationalen Lieferkette für medizinisches Cannabis eingenommen.

The Dutch OMC checks the medicinal cannabis at Bedrocan's facility

Investitionen in den medizinischen Cannabis-Sektor

Für Investoren, die bereits in den medizinischen Cannabissektor investiert haben oder dies in Betracht ziehen, ist das Verständnis der regulatorischen Gegebenheiten die wichtigste Voraussetzung um fundierte Investitionsentscheidungen treffen zu können.

Die internationale medizinische Cannabisindustrie ist, offen gesagt, ein sehr schwieriges Geschäft, und der Aufbau von Lieferketten über Grenzen hinweg ist mit regulatorischen Herausforderungen verbunden.

Darüber hinaus hat sich die Investitionslandschaft in den letzten zwölf Monaten nach einem rapiden Rückgang der Börsenbewertungen, der durch die COVID-19-Krise nur noch verstärkt wurde, dramatisch verändert. Es liegt auf der Hand, dass sich die Geschichte nicht selten wiederholt, und die Cannabisindustrie war bis dato eine typische Geschichte von Aufschwung und Niedergang.

Augenmerk

Da sich die Cannabismärkte jedoch bereinigt haben, sollten Investoren beginnen, sich nach Unternehmen umzusehen, die sich längerfristig positioniert haben, über die wichtigsten Grundlagen verfügen und ihr Augenmerk auf ein bestimmtes Segment der medizinischen Cannabis-Lieferkette richten.

Erfreulicherweise befindet sich Bedrocan in einer einzigartigen Position, wenn man unsere Beziehung zum OMC, unsere Rolle als Vertragshersteller und die Tatsache berücksichtigt, dass wir nie externem Druck, wie den Kräften des Kapitalmarktes, ausgesetzt waren.

Wir sind fokussiert auf das, was wir von der Pike auf beherrschen – den Anbau hochwertiger, standardisierter medizinischer Cannabisblüten.

Wie sich herausstellt, ist eines der größten Probleme, mit denen der medizinische Cannabismarkt derzeit auf der anbautechnischen Ebene konfrontiert ist, die Produktion von Cannabisblüten, die höchsten Qualitätsstandards entsprechen und letztendlich die erforderliche Konsistenz von Charge zu Charge in Bezug auf den Cannabinoidgehalt erreichen, um effektiv als Heilmittel eingesetzt werden zu können.

Spezialisierung

Wir sind der Meinung, dass die Spezialisierung ein Trend ist, der sich auf dem medizinischen Cannabismarkt weiter entwickeln wird.

Angesichts der kapitalintensiven Natur medizinischer Cannabisherstellung im Allgemeinen ist die vollständige vertikale Integration eine närrische Entscheidung, und es scheint uns sinnvoller, mit Unternehmen über die gesamte Lieferkette hinweg zusammenzuarbeiten. Was übrigens in jeder regulären Branche geschieht.

Letztendlich hoffen wir, dass medizinisches Cannabis wie jedes andere medizinische Produkt behandelt wird und dass der normale pharmazeutische Weg beschritten wird. Dieser Weg ist definitiv zeit- und kostenintensiv, und auf der Suche nach größeren Erträgen haben Unternehmer begonnen, ihre Ressourcen weg vom medizinischen Cannabismarkt hin zum Konsummarkt zu verlagern, was nicht selten auf Kosten des medizinischen Cannabispatienten erfolgt.

Die Auswirkungen des jüngsten Aufschwungs auf dem Cannabismarkt verstärken diesen Trend nur noch weiter. Tatsächlich hat es nie eine Zeit von größerer Bedeutung gegeben, in ein verantwortungsbewusstes medizinisches Cannabis-Ökosystem zu investieren.

Wir bei Bedrocan werden weiterhin das tun, was wir seit unserer Gründung getan haben: Anbau im Dienste unserer Patienten.

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